Eine kurze Kritik über die automatisch Auschecken-Funktion der LUCA-App und warum diese unter Android derzeit nicht funktionieren kann, sowie die Konsequenzen die daraus für Nutzer der Luca-App und Betreiber entstehen können.

LUCA-App in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland das eine Betreiberlizenz für die LUCA-App erworben hat. Es wird offensiv mit der Nutzung der App geworben. Der Preis dieser Lizenz ist unbekannt.

Allgemeine Kritik an der Luca-App

Ich beziehe mich im folgenden auf die Android-Version der LUCA-App.

Ich befürworte ausdrücklich die Nutzung von IT-Lösungen zum Zweck der Kontaktnachverfolgung. Die Corona-Warn-App ist ein gutes Beispiel für eine datenschutzfreundliche und offene Lösung, der Entwicklungsprozess ist komplett transparent und auch das zugrundeliegende Exposure Notification Framework von Google ist mittlerweile im Quellcode verfügbar. Zudem gibt es einen Google-freien Nachbau des Frameworks vom MicroG-Projekt und auch einen Fork der originalen Corona-Warn-App namens Corona Contact Tracing Germany , die das MicroG-Exposure-Framework verwendet. Der einzige Kritikpunkt an der Corona-Warn-App könnten die hohen Entwicklungskosten sein. Wie viel die Luca-Lizenzen in Summe kosten ist aber auch noch unklar. Aus Datenschutzgründen hat man sich im November 2020 entschieden, keine Kontaktnachverfolgung im Sinne der LUCA-App in die Corona-Warn-App zu integrieren, um nicht das Vertrauen in die App zu verspielen. Stattdessen nehmen wir einfach eine nicht überprüfte Software von einem Berliner Start-up?

Genau die oben beschriebenen Vorteile, die auch das Vertrauen in die Luca-App stärken würden, da unabhängige Experte sich den Code anschauen könnten und Verbesserungsvorschläge einreichen können, fehlen in der LUCA-App komplett. Stattdessen setzt man offensichtlich auf eine strikt proprietäre Lösung, die nicht einmal einen Audit durch externe Firmen erfahren hat. Zudem werden Lizenzverhandlungen hinter verschlossenen Türen durchgeführt.

LUCA-App verwendet Geofencing - oder doch nicht?

Seit Montag, dem 01.03.2021, ist es Frisören in MV wieder erlaubt zu öffnen. Natürlich mit der Bitte die LUCA-App zu verwenden. Eine Frisörmeisterin aus Rostock hat im Lokalradio von ihren Erfahrungen mit der LUCA-App berichtet. Sinngemäß wurde die Möglichkeit gelobt im Betreiber-Modus einen Radius zu erstellen, aus dem man automatisch ausgecheckt wird: Ist ein Nutzer mit der LUCA-App im Frisörsalon eingecheckt und verlässt den voreingestellten Radius, wird er automatisch ausgecheckt. Für die Frisörmeisterin eine hervorragende Funktion, Kunden müssen sich somit nicht manuell auschecken.

Wie funktioniert das automatische Auschecken?

Ganz einfach: Die Position des Smartphones muss zu jedem Zeitpunkt bekannt sein. Kurz gesagt, die LUCA-App braucht Zugriff auf die Ortungsfunktionen des Smartphones. Ortungen mit metergenauer Auflösung könnte folgendermaßen durchgeführt werden:

  1. Verwendung des GPS/GLONASS/GALILEO - Empfängers des Smartphones
    • sehr genau
    • nur außerhalb von Gebäuden
  2. Ungenaue Ortung mittels bekannten Netzwerken (WiFi, Cell-Based)
    • Externe Datenbanken müssten angefragt werden (Google-Services)
    • Genauigkeit hängt von der Datenqualität der entsprechenden Region an
  3. Ortung mittels Funkfeuer (zum Beispiel mittels Bluetooth-Low-Energie-Beacons)
    • Stark begrenzte Reichweite (wenige Meter)
    • Ungenau
    • Smartphone des Betreibers oder spezielle BLE-Sender müsste BLE-Beacons aussenden

Alle drei Verfahren benötigen aber Zugriff auf die Standortdaten des Android-Smartphones. Das automatische auschecken auf Basis von Standortdaten scheint optional zu sein, das wird aber im Betreiber-Modus, während der Eintragung eines Radius nicht erwähnt.

Zusätzlich existiert noch die Möglichkeit eine sehr grobe Standortbestimmung mittels IP-Adressen vorzunehmen. Dieses Verfahren ist aber für die metergenaue Bestimmung unbrauchbar und auch nicht zuverlässig. Je nach Qualität der Daten kann man lediglich die Region (z.B. Stadt) bestimmen in der man sich aufhält. Diese Bestimmung benötigt keine gesonderten Berechtigungen auf dem Smartphone.

Nur die FAQ auf der Homepage bietet eine kurze Bemerkung, aber nicht wie Geofencing in der LUCA-App umgesetzt ist.

LUCA-FAQ Geofencing

Automatisches Auschecken kann zur Zeit unter Android nicht funktionieren.

Wie schon erwähnt, müsste die LUCA-App Zugriff auf die Standortdaten haben um überhaupt das metergenaue automatische Auschecken zu ermöglichen. Derzeit wird diese Funktion durch die Android-App (Version 1.4.9) überhaupt nicht angeboten. Die Berechtigungen der App im Play-Store gibt eindeutig Auskunft darüber:

LUCA-App Playstore Berechtigungen

Auch nach der Installation der App existiert keine Möglichkeit der Standortabfrage:

LUCA-App Berechtigungen Android 9

Wie soll metergenaues auschecken unter Android so möglich sein? Gar nicht!

Die iOS-Version der App (Version 1.3.1) scheint die Möglichkeit der Standortabfrage zu bieten.

Abseits großer datenschutzspezifischer Bedenken, dass ein Unternehmen somit in der Lage wäre Bewegungsdaten tausender Menschen zu erfassen, kann diese Funktion einfach nicht benutzt werden.

Konsequenzen

Das automatische Auschecken wird im Betreiber-Modus der LUCA-Web-App zentral beworben, kann aber nicht funktionieren. Wenn sich technisch nicht versierte Betreiber und Gäste auf diese Funktion verlassen, ist das in meinen Augen ein schwerer Fehler. Es kann sogar dazu führen das eigentlich unbeteiligte Betreiber in Quarantäne müssen und so eventuell ihren Geschäftsbetrieb einstellen oder einschränken müssen, da sich Gäste eigentlich woanders infiziert haben, aber nicht ausgecheckt waren. Das kann natürlich auch Gäste treffen die sich auf das automatische Auschecken verlassen und später eine Quarantäne Aufforderung bekommen, obwohl sie schon lange nicht mehr vor Ort waren.

Forderung an die Entwickler der LUCA-App

  1. Rücknahme der Geofencing-Funktionen aus Datenschutzgründen und aufgrund unvollständiger Unterstützung des eigenen Softwarestacks.

  2. Klare und detaillierte Beschreibung der Architektur.

  3. Audit des gesamten LUCA-Softwarestacks durch mindestens zwei unabhängige Unternehmen.

Forderung an Regierungen und Städte die eine LUCA-Lizenz erworben haben

  1. Veröffentlichung von Preislisten oder gezahlten Preise für Lizenzen.

  2. Druck auf die Entwickler erhöhen, den Code (Apps + Server) zu publizieren (public money public code!).

    • Zum Beispiel kauf des Start-up und Umwandlung in Bundes-/Landeseigene Unternehmung

Update

[26.03.2021] Seit heute kann die Android-App auf die Standortdaten zugreifen.


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